Boehmer Altenheimbetriebe

Diabetes im Alter

Diagnose: Gibt es Unterschiede im Alter?

Von Prof. Dr. Dr. H. P. Meißner - 21.01.2003

Da der Diabetes im Alter häufig zunächst kaum oder sogar keine Krankheitsanzeichen hat, wird er in vielen Fällen erst spät und dann auch nur zufällig entdeckt. Daher sollten ältere Menschen regelmäßig auf Diabetes untersucht werden. Hinsichtlich der Blutzucker-Werte, die für die Diagnose ermittelt werden, gelten die gleichen Kriterien wie in jungen Jahren.

Die Gruppe der älteren Diabetes-Patienten, die hier definitionsgemäß ein Alter von 65 Jahren und darüber haben soll, macht ungefähr 40 Prozent aller an Diabetes Erkrankten aus. Bei etwa zehn Prozent von ihnen ist der Diabetes überhaupt nicht bekannt, weil die Zeit vom eigentlichen Auftreten des Diabetes bis zur Diagnose beim Arzt auf wenigstens vier bis sieben Jahre geschätzt wird. Dies liegt vor allem daran, dass der Diabetes im Alter überwiegend symptomarm oder sogar symptomfrei verläuft und dadurch keinen Leidensdruck bei den Patienten erzeugt. Die Diagnose wird daher bei sehr vielen Betroffenen zufällig gestellt. Oftmals führen erst Spätkomplikationen zur Entdeckung des Diabetes, wie beispielsweise Nervenschmerzen in den Beinen, Augenveränderungen an der Netzhaut, die bei einer Routineuntersuchung vom Augenarzt festgestellt werden, oder ein Herzinfarkt, der eine stationäre Aufnahme erforderlich macht.

 

Besondere Symptome beim älteren Patienten

Beim älteren Patienten können jedoch einige besondere, durch die erhöhten Blutzucker-Werte (Hyperglykämie) hervorgerufenen Symptome auf einen Diabetes hinweisen. Hierzu zählen starke Wasserverluste mit nachfolgender Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit, Depressionen, sich wiederholende Infektionen, Sehstörungen infolge sich verändernder Brechungsverhältnisse des Auges und im schwersten Fall sehr starke Anstiege der Blutzucker-Werte (> 600 mg/dl bzw. 33 mmol/l), die einen lebensbedrohlichen Zustand zur Folge haben können.

Ältere Menschen regelmäßig untersuchen

Weil der Diabetes beim älteren Menschen in den ersten Jahren in der Regel ohne Krankheitsanzeichen verläuft und die beschriebenen Symptome nur bei starker Entgleisung des Zuckerstoffwechsels zu beobachten sind, müssen Menschen im höheren Lebensalter regelmäßig auf Diabetes untersucht werden. Hierbei ist die Bestimmung des Blutzuckers nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit besser geeignet als die Bestimmung des Nüchternblutzuckers. Auch der HbA1c-Wert kann zum Nachweis des Diabetes herangezogen werden. Ein so genannter oraler Glukosetoleranztest (oGTT) wird nur in Ausnahmefällen notwendig sein.

Diagnostische Kriterien für ältere Patienten

Für den älteren Patienten gelten die gleichen diagnostischen Kriterien wie für den jüngeren Menschen mit Diabetes (s. Tabelle 1). Hierbei werden, wie oben angeführt, die Blutzucker-Werte entweder nüchtern oder zwei Stunden nach dem Trinken einer glukosehaltigen Flüssigkeit (oGTT 2-Std) ermittelt. Die Bestimmung dieser Werte kann sowohl im Plasma (in der Blutflüssigkeit, die keine Blutkörperchen mehr enthält) als auch im Vollblut erfolgen. Weiterhin lässt sich unterscheiden zwischen der venösen und der kapillären Blutentnahme: Während bei erster das Blut mit Hilfe einer Spritze aus einer Vene entnommen wird, erfolgt bei zweiter die Blutentnahme an Fingerbeere oder Ohrläppchen mit Hilfe eines kleinen Glasröhrchens (Kapillare). Je nach Vorgehen gibt es unterschiedliche Werte, die auf einen Diabetes oder die Vorstufe, eine gestörte Nüchternglukose (IFG: beim Nüchternblutzucker) bzw. eine gestörte Glukosetoleranz (IGT: beim 2-Std.-oGTT) hinweisen.

 

Der Arzt muss auf weitere Erkrankungen achten

Beim älteren Patient mit Typ 2-Diabetes liegen zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits verschiedene Folge- und/oder Begleiterkrankungen des Diabetes vor. Daher muss der Patient auf alle möglichen diabetesspezifischen Komplikationen eingehend untersucht werden. Hierzu zählen insbesondere der Bluthochdruck und die Fettstoffwechselstörungen, weil sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen.

Aus amerikanischen Studien ist bekannt, dass zehn bis 20 Prozent der älteren Diabetes-Patienten bereits zum Zeitpunkt, an dem sie von ihrer Zuckerstoffwechselstörung erfahren, diabetesspezifische Folgeerkrankung an den Augen (Retinopathie) oder Nieren (Nephropathie) haben. Des Weiteren ist bei zehn Prozent zu diesem Zeitpunkt bereits eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems und/oder der Nerven (Neuropathie) zu finden. Daher ist es dringend erforderlich, dass ein Arzt einen älteren Patienten von Anfang an auf alle möglichen diabetesspezifischen Komplikationen eingehend untersucht, sobald er bei diesem einen Typ 2-Diabetes nachgewiesen hat.

 

Bluthochdruck und Diabetes

Neben den diabetesspezifischen Folgeerkrankungen sind auch einige Begleiterkrankungen beim älteren Patienten mit Diabetes sehr häufig und sehr gefährlich, weil sie alleine und besonders in Kombination mit dem Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, also beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfall, erhöhen. So ist zum Beispiel bei 70 bis 80 Prozent der Patienten mit Typ 2-Diabetes ein arterieller Bluthochdruck zu finden. Dabei wirken die Risikofaktoren Diabetes und Bluthochdruck nicht nur additiv auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern sie potenzieren sich. Nach Einschätzung internationaler Fachgesellschaften ist bei Menschen, die gleichzeitig einen Diabetes und Bluthochdruck haben, in den nachfolgenden zehn Jahren immerhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 bis 30 Prozent mit einem Herz-Kreislauf-Erkrankung zu rechnen, die letztendlich zum Tod führen kann.

Fettstoffwechsel und Diabetes

Neben dem Diabetes und dem Bluthochdruck muss als dritter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei der Diagnostik des Diabetes immer nach erhöhten Blutfett-Werten (Hyperlipoproteinämie) gesucht werden, denn sie sind bei Menschen mit Diabetes etwa doppelt so häufig wie bei Menschen ohne Diabetes. Meistens ist eine Erhöhung der Triglyzerid-Werte und eine Verminderung des („guten“) HDL-Cholesterins zu beobachten. Die Konzentration des („schlechten“) LDL-Cholesterins ist bei Diabetes-Patienten nicht signifikant anders als bei Menschen ohne Diabetes, jedoch liegen beim Diabetes vorwiegend kleinere und dichtere LDL-Partikel vor, die sich besonders ungünstig auf die Verkalkung der Gefäße auswirken. Das Vorliegen einer Hyperlipoproteinämie erhöht bei Patienten mit Typ 2-Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich um das Zwei- bis Vierfache.
http://www.diabetes-world.net/de/

 

 






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