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Dekubitus
Tödliches Wundliegen an der Tagesordnung
400.000 bis 500.000 Menschen entwickeln jährlich ein behandlungsbedürftiges Druckgeschwür (Dekubitus). Insgesamt belasten Dekubiti das Gesundheitswesen mit jährlich rund 675 Mio. DM, so Birgit Bahnsen, ernährungsmedizinische Beraterin des Deutschen Instituts für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen. Neben dem persönlichen Leid ist die Dekubitusproblematik ein riesiger Kostenfaktor. Ein 17 Quadratzentimeter großer Dekubitus kann 120 Tage Heilungsverlauf, davon 45 Tage intensive Pflege, bedeuten, so Bahnsen weiter.
Insbesondere bei geriatrischen ode immobilen Patienten stellen Dekubitus und Wundheilungsstörungen häufige Komplikationen in der Langzeitpflege dar. Als Folge der Unbeweglichkeit entsteht ein anhaltender Druck auf bestimmte Körperregionen wie beispielsweise das Steissbein, die Aussenseite der Oberschenkel oder die Fersen. Dieser Druck bewirkt eine Minderdurchblutung des Gewebes und ein Absterben der Körperzellen. Es kommt zum Druckgeschwür (Dekubitus). Dekubiti treten in grosser Zahl im zeitlichen Umfeld der Sterbephase auf, tödliches Wundliegen gehört zur Tagesordnung in Pflegeeinrichtungen. Eine kürzlich veröffentliche Studie des Intituts für Rechtsmedizin an der Universitätsklinik Hambur-Eppendorf zeigt, dass 11,2 Prozent der Verstorbenen diese Geschwüre aufweisen.
In aktuellen Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Eiweiß- und Energie-Mangel, die sogenannte Protein-Energie-Malnutrition (PEM) und Dekubitalulcera nachgewiesen werden.
In Dauerpflegeeinrichtungen, in denen bis zu 50 Prozent eine PEM auftritt, beträgt die Häufigkeit des Vorkommens von Dekubitus zwischen 2,4 und 23 Prozent.
Die beste Wundversorgung wird keine Heilung der Dekubiti bringen, wenn nicht die für die Gewebeneubildung notwendigen Baustoffe durch die angepasste Ernährungstherapie zur Verfügung gestellt werden, so Bahnsen.
In der Ernährung sollte auf einen erhöhten Anteil an Milch und Milchprodukte sowie Fleisch und Gemüse geachtet werden. Oft gelingt es nicht, den appetitlosen Patienten zur ausreichenden Nahrungsaufnahme zu bewegen. Der erhöhte Eiweißbedarf ist häufig nicht mit der normalen Ernährung zu decken. Reicht beim gesunden Erwachsenen eine Eiweißzufuhr von 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aus, so ist der Eiweißbedarf bei Patienten mit Dekubitus mit 1,25 bis 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht deutlich erhöht.
Der Mehrbedarf an Energie wird je nach Größe und Schweregrad des Dekubitus auf 30 bis 90 Prozent geschätzt. Spezielle Trinknahrungen (Zusatznahrung), die in Apotheken erhältlich sind, sollten in diesen Situationen zum Einsatz kommen. Zur Unterstützung der Wundheilung und des Immunsystems bietet sich sogenannte Immunonutrition an, die einen erhöhten Anteil an Eiweiß, aber auch Arginin, Fischöl, entzündungshemmendes Zink und RNS-Nukleotide enthalten. Diese Zusatznahrung wird ergänzend zur Ernährung getrunken, sie deckt in einem kleinen Volumen den Bedarf an Energie, Eiweiß und Mikronährstoffen, in einer optimalen Zusammensetzung. Der Einsatz der Immunonutrition hat sich in der Dekubitustherapie bewährt. Pflegekräfte berichten, dass der Einsatz dieser Zusatznahrung bereits in ein bis zwei Wochen zu ersten sichtbaren Verringerungen der Dekubitusfläche geführt hat. Betroffenen bietet das DIET eine Hotline zum Thema "Hilfe,ich bin zu dünn!" an. Dort geben ernährungsmedizinische Berater montags bis freitags in der Zeit von 10.00 bis 14.00 Uhr unter der Telefonnummer 0241-96109566 Hilfestellung und Informationen
Deutsches Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.)
Kurbrunnenstrasse 5, 52066 Bad Aachen, Telefon: 0241-6080830,
Fax: 0241-6080834, eMail:info@diet-aachen.de, Internet: www.ernaehrungsmed.de
