Boehmer Altenheimbetriebe

Identifikation der Mitarbeiter

Mitarbeiter sollen sich identifizieren

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mit der Firma, den Dienstleistungen, der Arbeit schlechthin.

Tatsächlich ist Identifikation - womit auch immer - weder nötig noch wünschenswert.
Wenn Unternehmen von Identifikation sprechen, geht es oft gar nicht -zum Glück!- um Identifikation im Sinne des psychologischen Fachbegriffs. Man meint mit diesem Ausdruck eher, dass die Mitarbeiter das Unternehmen, seine Tätigkeit, seine Dienstleistung akzeptieren und dass sie sich dafür engagieren sollen.

 

Damit bin ich einverstanden. In der Tat muss man dies erwarten können und man muss es verlangen. Folgerichtig muss auch viel dafür getan werden, dass die Mitarbeiter dieses Engagement auch leisten können.
Meint man aber mit "Identifikation" wirklich etwas, was zumindest in der Nähe des psychologischen Fachausdrucks liegt, bewegt man sich auf einem gefährlichen Pfad. Im strengen Sinne bedeutet Identifikation "sich gleichsetzen mit einer anderen Person oder Gruppe; die Übernahme von Motiven und Idealen.".
In der Psychologie wird dieser Ausdruck verwendet in Zusammenhang mit einem frühkindlichen oder pubertären Entwicklungsstadium oder mit schweren Persönlichkeitsstörungen; in Soziologie und Politologie steht der Begriff in Verbindung mit der unkritischen und unreflektierten Übernahme von Motiven und Idealen, mit der Schaffung von aggressionsfördernden Feindbildern und faschistoiden Bewegungen.
Will man das? Darf und soll man das wollen? Was wird wirklich verlangt, wenn ein Unternehmen zum Beispiel fordert, die Mitarbeiter sollten sich mit Produkten identifizieren? 90 % unseres Sozialprodukts bestehen aus banalen Dingen: Nahrungsmittel, Getränke, Bekleidung, Unterhaltungselektronik, industrielle Rohstoffe. Wie krank muss ein Mensch eigentlich sein, um sich im strengen Sinne der Psychologie mit Mineralwasser, Streichkäse, Leberwurst, Eurocheques oder Videorecordern zu identifizieren? Die Mitarbeiter müssen vom Produkt überzeugt sein, sonst können sie es nicht glaubhaft verkaufen. Überzeugt sein ist aber etwas ganz anderes als sich damit zu identifizieren.
Wann identifizieren sich Menschen mit etwas oder mit jemandem? Ich weiss nicht, wie es dem Leser gegangen ist; ich selbst mach mich identifiziert - ich war damals zwischen zwölf und sechzehn Jahre alt - mit den Idolen und Heroen meiner Zeit: Elvis Presley, James Dean, John F. Kennedy, Fritz Walter und Toni Sailer. Ich hatte ihre Fotos in meinem Zimmer aufgehängt und für ein Autogramm wäre ich um die Welt gegangen.
Mein Sohn und meine Tochter identifizierten sich im gleichen Alter mit den Idolen ihrer Zeit: Sting, Bill Clinton, Magic Johnson, Kevin Costner, Roberto Baggio, Pete Sampras, Vreni Schneider. Sie hatten Poster in ihren Zimmern hängen und für ein Autogramm wären sie um die Welt gegangen.
Ich fand das gut. Es war ein Zeichen, dass ich gesunde, sich wohl entwickelnde Kinder hatte, und dass sie in diesem Alter inmitten ihrer tiefsten Pubertät steckten - genauso wie ich damals. Mit 16 ist das normal und gesund. Wenn meine Kinder sich aber mit 36 noch immer mit Sting oder Magic Johnson identifizieren, lebensgroße Poster im Zimmer hängen haben und Autogramme sammeln, dann weiß ich nur eines, nämlich, dass ich als Vater kläglich versagt habe, und dass meine Kinder schwer pathologische Fälle sind. Mit 36 Jahren sollen sie sich als erwachsene und reife Menschen mit sich selbst identifizieren können; und sonst mit gar nichts.

 

 

 

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